Wir hinken etwas hinter her ich weiß. Irgendwie hat es die letzten Tage nicht so gepasst mit dem Schreiben. Deshalb wird es heute etwas mehr. Nach dem Luxusstress zu Hause, sind wir am Mittwoch nachmittags noch los und bis in die Niederlande gefahren – nach Venlo. Da in der Nähe waren wir vor Jahren schon einmal und die Gegend hat uns gefallen. Am späten Abend kommen wir auf einem schönen Stellplatz am Hafen an und haben Glück, das der Wirt des Lokals uns noch einlässt (der Hafenmeister hat Feierabend). Nach der langen Fahrt und meiner schlechten Laune des Vortags haben wir eine erholsame Nacht.
Nach unseren täglichen Aufgaben und der Erkenntnis, dass man 100€ sparen kann wenn man erst am nächsten Tag mit der Fähre nach England fährt, suchen wir nach einer Tagesbeschäftigung. Im großen Kartendienst fallen uns seltsame Grenzlinien in der Nähe auf. Wir haben Baarle gefunden. Eigentlich Baarle-Hertog und Baarle-Nassau. Das verrückte an diesem Ort ist, dass man ständig die Grenze zwischen den Niederlanden und Belgien überquert. Warum das?
Vor langer Zeit gehörten die Ländereien des Örtchens verschiedenen, sagen wir mal Fürsten. Die mochten sich nicht so sehr und auch die Verhältnisse der späteren Eigentümer waren nicht die Besten. Später wurden die Besitztümer einzelnen Staaten zugeteilt und die Zerklüftung festgeschrieben. Alle Versuche dieses Wirrwarr aufzulösen scheiterten und somit besteht Baarle aus 30 Enklaven – etwa die Hälfte der weltweit existierenden. Da gibt es also Belgien in den Niederlanden, Niederlande in Belgien und wohl auch noch Enklaven in Enklaven. Der Grenzverlauf ist in der Ganzen Stadt markiert und verläuft durch Schlafzimmer, Geschäfte, Biergärten und auch durch eines der Rathäuser. Zu welchem Land ein Haus gehört bestimmt die Eingangstür und jede Hausnummer ist zusätzlich mit der Landesfahne markiert. Eine Ausnahme davon gibt es. Hier verläuft die Grenze durch die Haustür – also zwei Hausnummern.
Eine herrliche Stadt. Es gibt alles – außer die Feuerwehr, hier konnte man sich einigen – zweimal. Zwei Bürgermeister, zwei Gemeinderäte, zwei Polizeistationen, zwei Schulen mit unterschiedlichem Landesrecht, bei ca. 8000 Einwohnern. Herrlich! Wir schaffen es manchmal (in letzter Zeit oft) nicht mit einem Rat Einigkeit herzustellen.
Am Nachmittag fahren wir noch Richtung Dunkerque unserem Fährhafen. Einen Steinwurf vom größten und ältesten noch in Betrieb befindlichen AKW Frankreichs parken wir unseren Camper für die Nacht. Funfact: Dieses AKW wurde im August durch einen Schwarm Quallen abgeschaltet, die den Kühlwassereinlauf verstopft haben. Ein stiller Protest der Natur.
Um 8.00 Uhr legen wir ab.













